Die Berliner Schule für Schauspiel ist Geschichte

Liebe Freunde der berliner schule für schauspiel,

wir möchten diesen Moment nutzen, um uns von Ihnen allen zu verabschieden und uns bei allen Wegbegleitern, Mitarbeitenden und Förderern zu bedanken.

Dass wir die Schule aus wirtschaftlichen Gründen schließen müssen, ist eine schmerzhafte Entscheidung. Lange haben wir mit Engagement, mit künstlerischer Überzeugung und fachlicher Kompetenz versucht, dem entgegenzuwirken, doch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen haben sich in den letzten Jahren zunehmend verschärft. Wir konnten eine Schließung der berliner schule für schauspiel nicht verhindern.

Daran anschließend wurde die Schule von David Emig geleitet.

Insgesamt circa 40 Dozenten und Dozentinnen haben hier kontinuierlich ihr Wissen an die Studierenden vermittelt.  Über 500 Absolventen haben seitdem ihre künstlerische Ausbildung und ihren Weg gefunden.

Ein starkes Team hat die Schule getragen. Ebenso Förderer, Mitarbeitende, Wegbegleiter, Interessierte:  Ihnen allen gilt unser Dank. Allen, die diesen Weg gefördert, gestaltet, begleitet, geprägt haben, die der Schule Leben und Zukunft gegeben haben.

Unterschiedliche Generationen trafen hier in der Arbeit aufeinander, wertvolle Erlebnisse, Erfahrungen, Erinnerungen und Werte verbinden uns – und immer wieder die Begeisterung für das Theater und den Beruf des Schauspielers.

Auch wenn unsere Schule jetzt ihre Arbeit einstellen musste, bleibt das, was hier entstanden ist, lebendig und wir in diesem Sinne miteinander verbunden.

Wir wünschen Ihnen allen Mut und Zuversicht für das Kommende!

Alles Gute,


30 Jahre haben wir ausgebildet, geforscht und gespielt. Die poetische Kunst des Spielens war unsere fantastische Aufgabe. Hunderte von Absolventen hat die Schule ins künstlerische Leben verabschiedet. Kooperationen unserer Schule mit Theatern und Fach- und Hochschulen sowie künstlerische Poduktionen im In- und Ausland haben die künstlerische Entwicklung besonders geprägt. Sie fanden u.a. statt in Italien, in Polen, in Tschechien, in Israel, in Berlin, Schwerin; langjährig mit der Theater und Orchester GmbH Neubrandenburg/Neustrelitz und mit der Mittelsächsischen Theater und Philharmonie gGmbH in Freiberg.

Die spielerische Heiterkeit und Poesie — sie waren unser methodischer Ansatz und unsere Freude.

Ich danke allen, die sich mit Herz und Engagement für unsere Ausbildung eingesetzt haben, die ihr Können und ihr Wissen eingebracht haben. Mein Dank gilt den Mitarbeitern und Unterstützern, welche — oft scheinbar im Hintergrund Unmögliches möglich gemacht haben:  Ihr habt die Schule getragen. Mein Dank geht an alle Lehrende und Studierende: Ihr habt gemeinsam ein Klima geprägt, das von Leidenschaft, Ernsthaftigkeit und dem tiefen Glauben an die Notwendigkeit und die Kunst des Theaterspielens getragen war. Ein ganz besonderer Dank gilt meinem langjährigen künstlerischen Arbeitspartner Martin Laubisch.

Mit all diesem gemeinsamen Engagement ist die Schule gewachsen. Die berliner schule für schauspiel hinterlässt wertvolle künstlerische Spuren – auf den Bühnen der Theater, im Film, im Gedächtnis. Doch ‘…auch wenn der Vorhang fällt, ist das Spiel nicht zu Ende…‘.

Es geht weiter.


Die berliner schule für schauspiel ist Geschichte. Die formale Institution mit ihrem Trägerverein gibt es nun nicht mehr, aber die vielen Menschen, die die Impulse der Schule auf- und angenommen haben, wirken an unterschiedlichen Orten weiter.

Ich gehöre dazu, erlebte die besten Zeiten der Schule als Student und durfte (immer noch in den besten Zeiten der Schule) als Dozent zurückkehren.

Es sind einzigartige Erfahrungen. Sie haben mich als Schauspieler (aus)gebildet, sie haben ein Bewusstsein für künstlerische Prozesse und für die Ethik des Berufs bei mir wachsen lassen. Bis heute vermag ich hoffentlich, derlei Erkenntnisse und Erfahrungen in bescheidenen Versuchen weiterzugeben.

Die berliner schule für schauspiel mit ihren großartigen Dozentinnen und Dozenten hat nahezu dreißig Jahre lang existiert. Kritische Stimmen, Missgunst, auch eigene Verfehlungen und Momente des Scheiterns gehören in drei Jahrzehnten dazu. In der Summe bleibt ein Plus – für das Theater, für die Suche, die Welt mittels der Künste zu beschreiben und – ja! – sie auch zu verändern. „Die Welt wird Traum, der Traum wird Welt …“ (Novalis)


Ralf-Peter Schulze, Intendant Theater und Orchester GmbH Neubrandenburg/Neustrelitz 2000 – 2011; Intendant Mittelsächsische Theater und Philharmonie gGmbH Freiberg/Döbeln 2011-2022

„…Theater sind öffentliche Institutionen, in denen Publikum und Kunstschaffende ihre Gesellschaft und deren Mechanismen gemeinsam- in einem geschützten Raum, von Angesicht zu Angesicht, spielerisch und fantasievoll – ‚beleuchten‘ und kritisch hinterfragen können. Das Theater wird zum Akteur auch in der gesellschaftlichen Auseinandersetzung, schafft Raum und Bühne, um sich künstlerisch zu artikulieren. Diese kritische Reflexionskraft beginnt schon in der Ausbildung, wo künstlerische Prozesse mit hoher Verantwortung initiiert werden:

Für die vielen Jahre der vertrauensvollen und erfolgreichen Zusammenarbeit zwischen unseren Theatern und der berliner schule für schauspiel möchte ich mich bei dem langjährigen künstlerischen Leiter der Schule Ekkehardt Emig bedanken. Unsere Kooperation war getragen von gegenseitigem Respekt, von künstlerischer Neugier und dem gemeinsamen Anspruch, Ausbildung und Praxis sinnvoll miteinander zu verbinden. E. Emig hat mit großer Konsequenz, Haltung und einem klaren Blick diese Zusammenarbeit wesentlich mitgeprägt. Für viele junge Schauspielerinnen und Schauspieler wurden unsere Theater zu einem Ort des Anfangs und Weiterwachsens. Ich danke für Vertrauen, Verlässlichkeit und für die Überzeugung, dass Theater nur dann lebendig bleibt, wenn es Verantwortung für die nächste Generation übernimmt….“ 

Annett Wöhlert, Schauspieldirektorin Mittelsächsische Theater und Philharmonie gGmbH  2012-2022 ; Oberspielleiterin Theater und Orchester GmbH Neustrelitz/Neubrandenburg 2002- 2012;

„…Die berliner schule für schauspiel ist mehr als eine Ausbildungsstätte. Über viele Jahre war sie ein lebendiger Ort der künstlerischen Auseinandersetzung und Begegnung, schuf inhaltlich den Raum für eine Theater-Praxis bezogene Ausbildung und auf besondere Art und Weise für die Dimension des „Spiel“-Begriffs.

Mit ihren individuellen Begabungen, mit großer Verwandlungslust und Neugier, offen für Unbekanntes – so kamen viele Absolventen und Absolventinnen der berliner schule für schauspiel zu uns in die Theater in Mecklenburg und Mittelsachsen und starteten dort in ihr erstes Engagement.

Das Ausbildungskonzept, welches Ekkehardt Emig künstlerisch und methodisch gegründet und mit seinem Team über Jahrzehnte weiterentwickelt und umgesetzt hat, war dafür die Grundlage – und war die Basis für Absolventen und Absolventinnen, den neuen künstlerischen Herausforderungen begegnen zu können.

So entstanden unsere Kooperationsprojekte und gemeinsame Theateraufführungen, oft an ungewöhnlichen Spielorten, ob im Zirkuszelt oder Open Air bzw. auf den Bühnen.  Von vielen Mitarbeitenden beider Institutionen verantwortlich gestaltet und getragen.

Ich bedanke mich für diese wertvolle Zusammenarbeit, bedanke mich besonders bei dem Regisseur und Leiter der Schule Ekkehardt Emig für die künstlerische Kraft, die in jeden Moment der Ausbildung und in die künstlerischen Projekte eingewoben ist.

Innerhalb der Kooperationsprozesse habe ich viele beeindruckende Persönlichkeiten in ihrer künstlerischen Arbeit kennenlernen können, ihnen allen und Ekkehardt Emig wünsche ich herzlich, dass es gelingen kann, die Ideen und Erfahrungen der Schule zu bewahren und weiterzuführen.“


Liebe Freunde!

Immer wieder Veränderung: Anfangen. Heiter Scheitern. Fremd sein. Wieder anfangen. Immer wieder neu.

Zurückblicken aus diesem ‚Jetzt‘, den Kopf trotzdem nach vorn wenden. Zukunft entwerfen.

Im Prozess des Übergangs vom ‚Alten‘ zum ‚Neuen‘ ist die Fremdheit unmittelbar am stärksten spürbar.

Und daher immer wieder: SICH ERINNERN.

„…es sind zwei sich ausschließende Dinge, gut zu schlafen und sich gut zu erinnern…“ heißt es in einem Lied von Christoph Hein, in der Vertonung von Hans-Eckardt Wenzel.

In dieser Unerbittlichkeit gilt auch, dass sich das Vorhandene ändern muss, will es Bestand haben.

Das heißt, immer wieder anzufangen. Mit der Sehnsucht des Neubeginns weiterzumachen.

Hier liegt das Heilsame, Heitere – in der Sehnsucht. Sie nimmt der Lebensarbeit die Schwere, den Trübsinn, verleiht dem Leben durch das heitere Scheitern eine ganz neue Aussicht:

Man kann immer wieder neu beginnen mit der Erfahrung des Alten.

Und das gilt für den Bereich des Gesellschaftlichen wie für den des Persönlichen…

Also

Wir sehen uns wieder.